
Das Haus Tugendhat von 1930 in Brünn, geplant von Ludwig Mies van der Rohe und seiner Partnerin Lilly Reich, gehört mit seinem „fließenden", von einem Stahlskelett getragenen Raum und seinen wertvollen Materialien zu den ikonischen Werken des Neuen Bauens. Es wurde 2001 in die Liste des UNESCO Welterbes eingetragen. Konservierungswissenschaftliche Untersuchungen ermöglichten einen vertieften Einblick in die Materialität dieses Bauwerks und waren Grundlage für die Restaurierung von 2010-2012. In der materiellen Substanz des Hauses Tugendhat vereinigen sich handwerkliche Tradition und innovative industrielle Baustoffe, künstlerische Qualität und höchste technische Perfektion
City-walk im Rahmen des Repairfestivals Wien (Tina Zickler).
Prof. Dr. Ivo Hammer, von 1976–1997 Leitender Restaurator des Bundesdenkmalamts für Wandmalerei/Architekturoberfläche, tätig unter anderem am Beethovenfries von Gustav Klimt (1902) und historischen Fassaden, z.B. der Feste Hohensalzburg, Professor an der HAWK Hildesheim und zuletzt Vorsitzender der internationalen Expertenkommission für die Restaurierung des Hauses Tugendhat in Brünn, zeigt mehrere historische Gebäude in Wien, deren Fassaden in der traditionellen Technik mit Kalk restauriert wurden. Teilnahme: kostenlos, Treffpunkt: Michaelerplatz.
Keine Anmeldung erforderlich.
Ökonomische Umwälzungen in Richtung kurzfristige Kalkulation und unbedachter Verbrauch von Ressourcen führten auch in der Bautechnik zu dramatischen Veränderungen hinsichtlich Materialien, Techniken und ästhetischen Präferenzen. Materialien werden im Labor ‚designed‘ und sind entsprechend teuer. Handwerkliche Qualifikation wurde ersetzt durch die selektive ‚Intelligenz‘ der Baustofffirmen, die handwerkliche Tradition der Herstellung und der Reparatur geriet in Vergessenheit. Die in der Denkmalpflege von Konservator*innen-Restaurator*innen gewonnenen Kenntnisse sind nicht nur für die Konservierung von Denkmalen, sondern generell auch für Erhaltung und Reparatur von Altbauten nutzbar. Auch in Wien begann man vor 40 Jahren an einzelnen Objekten wieder mit nachhaltiger Pflege mit Kalk.

Wandmalerei darf, wie alle bildende Kunst, nicht als autonom betrachtet werden. Sie ist ästhetisch und technologisch Teil der Oberfläche von Architektur. Die historischen, künstlerischen oder sonstigen kulturellen Werte der Kunstwerke sind in ihrer materiellen Substanz vergegenständlicht. Ihr Zeichencharakter ist in besonderer Weise, wie in keinem anderen Medium, an ihre Materialität gebunden. In der Wandmalerei des 13. bis 16. Jahrhunderts in Florenz ist diese unlösliche Verbindung von Materie und Idee in besonders faszinierenden Beispielen zu studieren. Die Geschichte der Originale ist auch eine Mahnung an die Kulturwissenschaft zur Quellenkritik und zum engagierten Einsatz für die materielle Erhaltung der Kunstwerke.
· Wie jede historische Wissenschaft muss sich die Kunstgeschichte mit ihren Gegenständen quellenkritisch auseinandersetzen. Zur Quellenkritik gehören alle Fragen, die nur am Original untersucht und überprüft werden können.
· Ich appelliere an die gesellschaftspolitische Verantwortung aller Menschen, die den Anblick des historischen Kulturguts, und speziell der verletzlichen Wandmalereien geniessen, sich engagiert für die adäquate Erhaltung dieses Erbes einzusetzen, die Denkmalpflege und die Bemühungen um entsprechende Ausbildung von Architekten, Naturwissenschaftlern, Kunsterziehern und Restauratoren zu unterstützen und:
· Diese Wandmalereien sind wunderschön. Man muss die Originale in Florenz anschauen.